Stammkunde im Getränkemarkt
22. Dezember 2010
Sophie hatte in ihrer Küche kaum noch Platz für weitere Getränkekisten, geschweige denn kam sie mit dem Trinken hinterher. Gut, dass sie nur Wasser und Schorle gekauft hatte, sonst hätte sie sich wohl bald einen Bierbauch angetrunken. Immerhin lief sie nun nicht Gefahr Nierensteine zu bekommen, so viel wie sie trank. Doch warum hörte sie nicht auf, Getränke zu kaufen und wartete nicht erst einmal, bis alles aufgebraucht war? Das hatte einen Grund und dieser trug den schönen Namen Anthony. Anthony arbeitete nämlich bei einem Getränkemarkt unweit Sophies Wohnung. Kennen gelernt beziehungsweise das erste Mal gesehen hatte sie ihn, als er die Getränke für Sophies Geburtstagsparty lieferte. Der Markt bot auch einen Getränkelieferservice an, von dem Sophie in Anbetracht der Mengen und Schwere der Getränkekisten, die sie für ihre Gäste gekauft hatte, nur zu gern Gebrauch machte. Als dann Anthony schnaubend auf dem Treppenabsatz auftauchte, fehlte Sophie selbst auch der Atem. Leider hatte er nicht viel Zeit gehabt, da er ja noch andere Kunden beliefern musste, aber Sophie hatte erfahren, dass er eigentlich nicht beim Getränkeservice arbeitete, sondern als Verkäufer im Markt. Seither war Sophie zur Stammkundin dort geworden. Langsam gingen ihr zwar die Ausreden aus, weswegen sie schon wieder Bedarf an Getränken hatte, aber das war ihr egal. Sie ließ sich von Anthony auch gern beraten, was Weine betraf, obwohl sie selbst gar keinen Alkohol trank. Als sie zum dritten in Mal in einer Woche im Getränke Markt war und bei ihm an der Kasse stand und kein anderer Kunde im Markt war, fragte er sie, ob sie denn in einer Wohngemeinschaft wohnte oder warum sie sonst so viel Trinken brauchte. Ohne zu überlegen, antwortete Sophie, sie hätte Nierensteine und müsste deshalb so viel trinken. Im selben Moment verfluchte sie sich für die Antwort und wollte am liebsten im Boden versinken. Nierensteine? Wie sexy war denn bitte das? Jetzt hatte bestimmt immer, wenn er an sie dachte, wenn er überhaupt an sie dachte, das Bild einer alten Oma im Kopf. Doch zu Sophies Überraschung lachte er und meinte, dass er sich schon eingebildet hatte, dass sie wegen ihm in den Markt käme. Schade, dass es dann doch einen anderen Grund gab. Daraufhin gestand sie ihm, dass sie das nur erfunden hatte. Ihre Kreativität ließ eben zu wünschen übrig. Anthony versicherte ihr, dass das mit den Nierenstein gar keine schlechte Idee gewesen wäre und bat sie um eine Verabredung. Nun waren sie bereits seit einigen Monaten ein glücklich verliebtes Pärchen und erzählten nur zu gern, wie sie sich kennen gelernt hatten, obwohl Sophie das mit den Nierensteinen lieber ausgelassen hätte.